Sicherheit im Alltag: Lebhafter Politik-Talk mit Bürgermeisterkandidat René Kopka und MdL Alexander Saade bei der AWO Einbeck

Im Rahmen des Bürgermeisterwahlkampfes hatte die SPD Einbeck zu einem Politik-Talk in das Haus der Sozialarbeit der Arbeiterwohlfahrt eingeladen. Gemeinsam mit zahlreichen interessierten Bürgerinnen und Bürgern diskutierten Bürgermeisterkandidat René Kopka und der SPD-Landtagsabgeordnete Alexander Saade, Sprecher für Polizeipolitik der SPD-Landtagsfraktion, über „Sicherheit und Ordnung – Herausforderungen und Perspektiven für Einbeck und seine Ortschaften“.

Alexander Saade, der den Wahlkreis Göttingen/Harz im Niedersächsischen Landtag vertritt und zuvor fast drei Jahrzehnte im Polizeidienst tätig war, führte mit einem Impulsvortrag in das Thema ein. Anschließend ergänzte René Kopka die landespolitischen Perspektiven um konkrete Herausforderungen und Erfahrungen aus Einbeck.

Ausgangspunkt der Diskussion war die Polizeiliche Kriminalstatistik für den Landkreis Northeim. Saade machte deutlich, dass die Zahl der registrierten Straftaten in den vergangenen Jahren insgesamt deutlich zurückgegangen sei. Gleichzeitig sei der Rückgang der Straftaten stärker ausgefallen als der Bevölkerungsrückgang, wodurch sich die objektive Sicherheitslage verbessert habe. Dennoch nehme das subjektive Sicherheitsgefühl vieler Menschen oftmals einen anderen Verlauf.

Als wesentlichen Grund dafür nannte Saade die veränderte Medienlandschaft und die Dynamik sozialer Netzwerke. Einzelne spektakuläre Straftaten würden dort besonders stark wahrgenommen und könnten so ein verzerrtes Bild der tatsächlichen Sicherheitslage entstehen lassen. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, wie stark diese „gefühlte Unsicherheit“ die Wahrnehmung vieler Menschen prägt.

Ein Schwerpunkt des Abends lag auf den Veränderungen innerhalb der Kriminalitätsstruktur. Auf Fragen aus dem Publikum erläuterte Saade, dass insbesondere Betrugsdelikte – etwa im Zusammenhang mit Internetkriminalität, falschen Gewinnversprechen oder dem sogenannten Enkeltrick – in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen hätten. Auch der Landkreis Northeim sei von dieser Entwicklung betroffen. Trotz einer insgesamt hohen Aufklärungsquote verzeichne die Region einen spürbaren Anstieg von Betrugs- und Cyberdelikten

Dabei betonte Saade, dass grundsätzlich jede und jeder Opfer solcher Betrugsmaschen werden könne – unabhängig von Alter, Bildung oder Beruf. Umso wichtiger seien Präventionsarbeit, Aufklärung und eine enge Zusammenarbeit von Polizei, Beratungsstellen und Kommunen.

René Kopka richtete den Blick anschließend auf die Situation in Einbeck und den Ortschaften. Dabei griff er zahlreiche Rückmeldungen aus Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern auf. Es gebe Orte in der Stadt, die insbesondere in den Abendstunden gemieden würden, weil sich Menschen dort unsicher fühlten.

Kopka betonte die Bedeutung gut gestalteter und ausreichend beleuchteter öffentlicher Räume. Eine durchdachte Straßen- und Parkbeleuchtung diene nicht nur der Orientierung, sondern stärke auch das Sicherheitsgefühl, da gut einsehbare Wege soziale Kontrolle im positiven Sinne ermöglichten. Gleichzeitig müsse dabei auf Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit geachtet werden, um Sicherheit, Klimaschutz und wirtschaftliche Vernunft miteinander zu verbinden.

„Sicherheit bedeutet für mich mehr als niedrige Kriminalitätszahlen. Die Menschen müssen sich in Einbeck und unseren Ortschaften wohlfühlen – auf dem Heimweg, im Park, auf dem Spielplatz und vor ihrer eigenen Haustür. Deshalb müssen wir Probleme frühzeitig erkennen und schnell handeln, bevor sich negative Entwicklungen verfestigen. Das gelingt nur durch eine enge Zusammenarbeit von Verwaltung, Ordnungsamt, Polizei und Bürgerschaft. Direkte Ansprache, gegenseitiger Respekt und gemeinsames Handeln bleiben dabei unverzichtbar. Sicherheit und Lebensqualität entstehen nicht von allein – sie entstehen, wenn wir Verantwortung übernehmen und unsere Stadt gemeinsam gestalten“, betonte René Kopka.

Ein weiteres Thema waren verunreinigte Grünflächen durch nicht beseitigte Hundehinterlassenschaften. Kopka machte deutlich, dass solche vermeintlichen Alltagsärgernisse erheblichen Einfluss auf die Aufenthaltsqualität im Wohnumfeld hätten. Ob öffentliche Räume als einladend oder als Problemorte wahrgenommen würden, entscheide sich oft auch an solchen Fragen des täglichen Zusammenlebens. Gemeinsam mit dem Publikum wurden verschiedene Ansätze erörtert, wie Verwaltung und Bürgerschaft hier wirksam zusammenarbeiten können.

In diesem Zusammenhang wurde auch die Idee eines Hundeplatzes in der Einbecker Kernstadt angesprochen. Ein solcher Ort könne Hundebesitzerinnen und Hundebesitzern eine attraktive Möglichkeit bieten, ihre Tiere auszuführen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Gleichzeitig könne ein Hundeplatz dazu beitragen, das Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit öffentlichen Flächen zu stärken und langfristig Problemen durch Hundekot im Stadtgebiet entgegenzuwirken.

Zugleich wurde deutlich, dass infrastrukturelle Maßnahmen allein nicht ausreichen. Die direkte Ansprache bleibt ein wichtiger Bestandteil eines funktionierenden Miteinanders. Viele Herausforderungen im Alltag lassen sich am besten lösen, wenn Bürgerinnen und Bürger miteinander ins Gespräch kommen, Rücksicht aufeinander nehmen und gemeinsam Verantwortung für ihr Wohnumfeld übernehmen.

Mehrfach wurde deutlich, dass objektive Sicherheitslage und subjektives Sicherheitsempfinden nicht immer übereinstimmen. Sowohl Kopka als auch Saade unterstrichen die Bedeutung transparenter Informationen, einer kontinuierlichen Öffentlichkeitsarbeit von Polizei und Kommune sowie niedrigschwelliger Gesprächsangebote, um Vertrauen zu stärken und Sorgen ernst zu nehmen.

Im weiteren Verlauf des Abends wurde zudem die Rolle von Kommune und Land für mehr Sicherheit und Ordnung beleuchtet. Saade erläuterte, wie Entscheidungen im Niedersächsischen Landtag die Personalausstattung, Präventionsprogramme und Arbeitsbedingungen der Polizei beeinflussen. Kopka betonte ergänzend, dass eine zukünftige Stadtspitze vorhandene Fördermöglichkeiten konsequent nutzen, Projekte aktiv unterstützen und die Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung, Ordnungsamt, Polizei, Schulen sowie der Jugend- und Sozialarbeit weiter ausbauen müsse.

Beide Gesprächspartner waren sich einig, dass Sicherheit weit mehr umfasst als Polizei- und Ordnungspolitik. Sie entstehe auch durch soziale Stabilität, gesellschaftliche Teilhabe und verlässliche Ansprechpartner vor Ort.

Zum Abschluss dankte René Kopka der AWO Einbeck für die Gastfreundschaft sowie allen Gästen für die offene und sachliche Diskussion. Veranstaltungen wie dieser Politik-Talk seien wichtig, um Sorgen, Erfahrungen und Anregungen aus dem Alltag aufzunehmen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die den Bedürfnissen Einbecks und seiner Ortschaften gerecht werden.